Du siehst die Welt, und du nimmst Gegensätze wahr: hell und dunkel, gut und schlecht, Freude und Leid. Dein Geist ordnet, trennt, bewertet. Er sagt: „Dies ist richtig, jenes ist falsch.“ So erschafft er ununterbrochen zwei Seiten – und du befindest dich dazwischen, schwankend wie ein Blatt im Wind.
Doch in der Lehre des Erwachten – des Buddha – ist Dualität keine Wahrheit, sondern eine Wahrnehmung. Sie ist ein Schleier, den der Geist über das legt, was eigentlich eins ist. Der Buddha lehrte, dass alles bedingt entsteht: Wenn dies ist, ist jenes. Wenn dies nicht ist, ist jenes nicht. Freude entsteht nur, weil du Leid kennst. Gewinn erscheint nur, weil du Verlust fürchtest. Beides sind zwei Seiten derselben Münze – und solange du an einer Seite festhältst, bleibst du an die andere gebunden.
Erinnere dich an die Geschichte, als der Buddha eines Tages auf einem Feld saß. Ein Bauer kam zu ihm und beklagte sich: „Ehrwürdiger, meine Kühe sind weggelaufen, meine Felder verdorren, meine Frau schimpft. Ich bin unglücklich.“
Der Buddha sah ihn freundlich an und sagte: „Dann bist du wie jemand, der viele Kühe hat, und sie alle fürchtet zu verlieren.“ Der Bauer verstand nicht und fragte: „Und du, Ehrwürdiger, hast du keine Sorgen?“
Der Buddha lächelte: „Ich habe keine Kühe.“
Mit diesem einfachen Bild lehrte er, dass Leid aus Anhaftung entsteht – aus dem Wunsch, das eine festzuhalten und das andere zu vermeiden. Dualität ist ein Netz, das der Geist selbst spinnt. Wenn du sagst: *Ich will nur Freude, keine Trauer,* dann pflanzt du die Wurzel des Leidens. Denn wo kein Gegensatz ist, da ist auch kein Festhalten nötig.
In der Übung der Achtsamkeit lernst du, Dualität zu durchschauen. Du beobachtest Gedanken, ohne sie zu bewerten. Du siehst Zorn aufsteigen, aber du nennst ihn nicht „schlecht“. Du spürst Freude, aber du klammerst dich nicht daran. So beginnt die innere Mitte zu leuchten – der Raum zwischen den Gegensätzen, der jenseits von Gut und Böse, Sieg und Niederlage liegt.
Wenn du diesen Raum erkennst, erwacht Weisheit. Du beginnst zu sehen, dass der Tag im Nacht keimt, dass in jedem Ende ein Anfang ruht. Dualität verliert ihre Macht über dich, und was bleibt, ist Gleichmut – die stille Freude, alles so zu lassen, wie es ist.
So sprach der Buddha:
„Wie der Ozean nur einen Geschmack hat, den Geschmack des Salzes, so hat auch meine Lehre nur einen Geschmack – den Geschmack der Freiheit.“
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