Sobald Du aufhörst, an einer festen Sichtweise festzuhalten, beginnt das Gefühl der Abgrenzung zu verblassen. Das, was Du als „Ich“ und „die Anderen“ wahrnimmst, löst sich auf, wie Nebel in der Morgensonne. In der Lehre des Buddha wird oft gesagt: Die Grenzen, die Du siehst, entstehen im Geist – sie sind Vorstellungen, keine Wirklichkeit.
Begriffe, Bezeichnungen, Bewertungen und Glaubenssätze sind letztlich nur Gedankenformen. Sie wirken kraftvoll, weil sie echte Empfindungen im Körper hervorrufen und die Art verändern, wie Du die Welt erlebst. Worte schaffen Bilder, und Bilder schaffen Gefühle – und so wird aus einer bloßen Idee eine ganze Realität. Doch diese Realität ist wie ein Traum: Sie existiert nur, solange Du daran festhältst.
Natürlich braucht der menschliche Geist solche Konzepte, um im Alltag zu funktionieren. Doch wenn Du vergisst, dass sie bloße Konstruktionen sind, beginnst Du, sie für das Ganze zu halten. Du nimmst das Spiel des Denkens ernst, als wäre es das Leben selbst. Dann verlierst Du nicht nur Dein Lächeln, sondern auch die innere Leichtigkeit, die aus wahrer Freiheit und mitfühlendem Gewahrsein erwächst. Du wirst starr wie ein Halm, der sich weigert, sich im Wind zu bewegen – aus Angst, zu brechen.
In Wahrheit jedoch bist Du kein einzelnes Blatt, sondern der ganze Garten. Alles, was lebt und vergeht, ist nicht getrennt von Dir. Der Buddha lehrte, dass es kein festes Selbst gibt, sondern nur ein fortwährendes Entstehen und Vergehen. Das, was Du wirklich bist, kann nicht als „Ding“ erkannt werden – denn jedes Erkennen macht ein Objekt daraus. Und das, was Du bist, ist kein Objekt, sondern Bewusstheit selbst.
Diese Bewusstheit lässt sich nicht beschreiben, nur erfahren. Sie lebt sich selbst – ob Du es bemerkst oder nicht. Öffne Deine Augen, und Du findest Dich in allem wieder. Schließe sie, und Du begegnest Dir in der Stille. Du bist das, was lacht und weint, was geboren wird und vergeht, was alles umfasst und nichts besitzt.
Wenn Du dies verstehst, brauchst Du den Buddha nicht zu suchen – er war nie fort. Er ist das klare Sehen in Dir, das erkennt, dass kein Ort außerhalb von Dir existiert.
„In Dir selbst findest Du die ganze Welt; suchst Du außerhalb, wirst Du sie niemals entdecken.“
— Buddha
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