Selbstliebe

Geschrieben am 17.02.2026
von SR


Selbstliebe aus buddhistischer Sicht

Selbstliebe wird oft als ein modernes Konzept betrachtet, das stark mit Selbstwert und Selbstfürsorge verbunden ist. Im Buddhismus geht es bei Selbstliebe jedoch nicht um narzisstische Selbstverherrlichung oder Egozentrik, sondern um eine tiefe, mitfühlende Achtsamkeit gegenüber Dir selbst. Wahre Selbstliebe im buddhistischen Sinne ist die Fähigkeit, Dich selbst zu akzeptieren, Deine eigenen Schwächen und Stärken zu erkennen und in einem Zustand der inneren Harmonie zu leben.



Was bedeutet Selbstliebe im Buddhismus?

Im Buddhismus gibt es einen wichtigen Begriff, der sich mit Selbstliebe verbindet: **Metta**. Metta bedeutet „liebende Güte“ und beschreibt eine bedingungslose, großzügige Liebe – nicht nur zu anderen, sondern auch zu Dir selbst. Die Praxis der Metta-Meditation lehrt Dich, diese Liebe zu entwickeln, indem Du sie zuerst Dir selbst schenkst. Das bedeutet nicht, Dich selbst zu idealisieren oder zu überhöhen, sondern Dich so zu lieben, wie Du bist, mit all Deinen Unvollkommenheiten und Schwächen.

Buddha selbst lehrte, dass, um wirklich Liebe und Mitgefühl für andere zu empfinden, Du zuerst bei Dir selbst anfangen musst. In den Metta-Sūtras wird die Idee vertreten, dass die wahre Quelle des Mitgefühls aus einem tiefen Verständnis und einer liebevollen Haltung Dir selbst gegenüber kommt. Wenn Du Dir selbst nicht mit Mitgefühl begegnest, wirst Du Schwierigkeiten haben, dieses Mitgefühl authentisch auf andere zu übertragen.


Was musst Du tun, um Selbstliebe zu entwickeln?

Selbstliebe ist eine Praxis, keine einmalige Erkenntnis. Sie erfordert Geduld, Hingabe und eine bewusste Entscheidung, Dich selbst auf einer tiefen Ebene zu schätzen. Hier sind einige praktische Schritte, die Du im Einklang mit der buddhistischen Lehre gehen kannst, um Selbstliebe zu kultivieren:

1. Achtsamkeit üben
   Die Grundlage der buddhistischen Praxis ist Achtsamkeit. Sei Dir Deiner Gedanken, Gefühle und Handlungen bewusst. Achtsamkeit hilft Dir, die eigenen inneren Muster zu erkennen, die oft durch Selbstkritik oder Ablehnung geprägt sind. Wenn Du diese Gedanken bemerkst, kannst Du sanft und mit Verständnis darauf reagieren. Statt Dich selbst zu verurteilen, übe Mitgefühl und Geduld. Beobachte Dich, ohne Dich selbst zu bewerten.

2. Metta-Meditation
   Eine der kraftvollsten Methoden, Selbstliebe im buddhistischen Sinne zu entwickeln, ist die Metta-Meditation. In dieser Meditation schenkst Du Dir selbst liebevolle Gedanken und Wünsche für Dein Wohl. Du beginnst mit der einfachen Absicht: „Möge ich glücklich sein, möge ich gesund sein, möge ich in Frieden leben.“ Durch die wiederholte Praxis kannst Du eine tiefere Verbindung zu Dir selbst aufbauen und Deine Fähigkeit stärken, mitfühlend mit Dir zu sein.



3. Selbstakzeptanz statt Selbstkritik
   Im Buddhismus wird oft betont, dass **alles vergänglich** ist – einschließlich Deiner Fehler, Schwächen und sogar Deiner vermeintlichen „Mängel“. Der Weg zur Selbstliebe erfordert, dass Du Dich von der ständigen Selbstkritik löst. Akzeptiere, dass Du nicht perfekt bist, und erkenne an, dass auch diese Unvollkommenheit ein Teil Deines menschlichen Daseins ist. In der Praxis des Buddhismus geht es nicht darum, Dich zu verändern, sondern darum, Dich so zu lieben, wie Du bist.

4. Karma und Selbstverantwortung
   Der Buddhismus lehrt, dass **Karma** die Auswirkungen unserer Handlungen ist. Wenn Du mit Dir selbst in Liebe und Mitgefühl handelst, wirst Du auch positiveres Karma für Dich selbst schaffen. Indem Du Dich mit Fürsorge behandelst – körperlich, emotional und mental – trägst Du aktiv zu Deinem eigenen Wohlbefinden und inneren Frieden bei.



5. Loslassen von Erwartungen
   Eine der größten Quellen von Leiden ist das Festhalten an **Erwartungen**. Dies gilt nicht nur im Umgang mit anderen, sondern auch im Umgang mit Dir selbst. Die Vorstellung, dass Du perfekt oder immer stark sein musst, führt zu Enttäuschungen. Buddhismus lehrt, dass Du das „Festhalten“ an bestimmten Vorstellungen loslassen solltest, um den natürlichen Fluss des Lebens zu akzeptieren. Deine Reise zu Selbstliebe erfordert, dass Du Dich von unrealistischen Erwartungen befreist und Dir selbst mit Güte begegnest.



Was darfst Du von Selbstliebe erwarten?

Im Buddhismus gibt es keine falschen Erwartungen an Selbstliebe. Sie ist kein schnelles Mittel zur Selbstverwirklichung oder zum Streben nach materiellen Zielen. Stattdessen ist Selbstliebe eine ruhige und kontinuierliche Praxis, die Dir hilft, das Leben mit mehr Achtsamkeit, Mitgefühl und Weisheit zu leben.

1. Innerer Frieden: Selbstliebe führt zu einem Zustand des inneren Friedens. Wenn Du Dich selbst anerkennst und schätzt, sinkt die innere Unruhe, die oft durch Selbstzweifel oder unaufhörliche Selbstkritik entsteht. Du wirst in der Lage sein, mit den Herausforderungen des Lebens ruhiger und gelassener umzugehen.

2. Bessere Beziehungen: Wenn Du Dich selbst liebst, kannst Du auch gesündere Beziehungen zu anderen aufbauen. Wahre Selbstliebe ist die Grundlage für aufrichtige Mitmenschlichkeit und authentische Freundschaften. Du wirst weniger auf Bestätigung von außen angewiesen sein und kannst anderen mit mehr Empathie begegnen.

3. Erhöhte Resilienz: Durch die Praxis der Selbstliebe im Buddhismus wirst Du widerstandsfähiger gegenüber den Höhen und Tiefen des Lebens. Du lernst, nicht durch Rückschläge oder Fehler zu fallen, sondern sie als Teil des Weges zu akzeptieren und daraus zu wachsen.

4. Erleuchtung als Ziel: Die tiefste Form der Selbstliebe im Buddhismus ist die Anerkennung Deiner eigenen Buddha-Natur. Der Buddhismus lehrt, dass Du das Potenzial zur Erleuchtung bereits in Dir trägst. Selbstliebe ist der erste Schritt, um dieses innere Licht zu entdecken und Dich mit Deiner höchsten Weisheit zu verbinden.


Fazit

Selbstliebe aus buddhistischer Sicht ist nicht die Liebe, die den eigenen Egoismus nährt, sondern die Liebe, die Dich zu einem aufrichtigen, mitfühlenden und achtsamen Menschen macht. Sie ist der Weg, Dich selbst in all Deinen Facetten zu akzeptieren, zu heilen und zu wachsen. Indem Du die Praxis der Selbstliebe in Deinem Alltag kultivierst, schaffst Du nicht nur mehr Frieden und Harmonie in Dir, sondern auch in Deinen Beziehungen zu anderen. Die buddhistische Weisheit zeigt Dir, dass wahre Liebe immer bei Dir selbst beginnt – und nur von dort aus kannst Du sie authentisch in die Welt tragen.



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