Erkläre mir Himmel und Hölle

Geschrieben am 01.07.2021
von Shaolin Rainer


In einem buddhistischen Tempel erschien ein sehr bekannter Krieger, um mit dem Abt zu sprechen.

Der Krieger sagte herrisch: „Mönch, ich komme gerade von einem Schlachtfeld, ich habe viele Tote und Verwundete gesehen. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Viel habe ich gehört vom Himmel und von der Hölle, aber nach dem Gemetzel sah ich nur die Hölle. Erkläre mir, was ist Himmel, was ist Hölle“.



Der Abt sah den Krieger nachdenklich an, dann fing er an diesen unflätig zu beschimpfen: „Du häßlicher Kerl, was erlaubst du dir hier einfach aufzutauchen, du bist verschwitzt, du stinkst, es ist noch Blut an deiner Kleidung; jeder Krieger ist ein Mörder, der nicht einmal einen Funken von Ehre in sich trägt, du bist von niedrigem Stand, sogar einen Hund würde ich lieber um mich haben, du weißt, was die Hölle ist, schließlich ist sie deine Heimat, verschwinde von hier, du Missgeburt“.

In dem Krieger stieg der Zorn hoch, noch niemals hatte jemand es gewagt so mit ihm zu sprechen, er empfand tiefe Scham und Schande, griff zu seinem Schwert, er wollte den Mönch erschlagen.



Da lächelte der Mönch und sagte: „Halt ein, du Krieger. Nachdem ich dich beleidigt habe, jetzt ist dein Gefühl die Hölle für dich“.

Erstaunen zog über das Antlitz des Kämpfers, in diesem Augenblick verstand er, was der Abt ihm sagen wollte, der unbewaffnete Mönch stellte sich ihm, dem starken Krieger, furchtlos in den Weg, nur um ihm eine Lektion zu erteilen, um seine Frage zu beantworten. Jetzt verstand er, was die „Hölle“ wirklich bedeuten kann. Er wurde sehr ruhig, der Zorn war verraucht. Tiefer Friede breitete sich in ihm aus, er spürte eine große Dankbarkeit, mit einem Mal hatte er die Schrecken des Schlachtfeldes vergessen.

Der Mönch sah ihm tief in die Augen, dann sagte er: „Und jetzt, du Krieger, jetzt weißt du, wie der „Himmel" sich anfühlen kann“.​



Liebe Leser, das buddhistische Verständnis von "Himmel und Hölle" ist ein völlig anderes, als etwa das der Christen. Es gibt kein abgeschiedenes Jenseits, wo durch göttlichen Beistand ein Weiterleben gesichert ist, oder die ewige Verdammnis wartet. Der Kreislauf der Wiedergeburten findet seinen Abschluss, wenn „das Sein" und „das Wollen“ durch die „ERLEUCHTUNG“ unterbrochen wurde. Wenn wir durch das torlose Tor geschritten sind, eingegangen in das Nirvana, dem Karma folgend, alle an das Dasein haftende Vorstellungen, Wünsche und Begierden hinter uns liegen, dann ist der Abschnitt dieses Lebens beendet.​



In der Trennung liegt das größte Elend der Welt; im Mitgefühl liegt die wahre Stärke der Welt

Buddha - Ehrenname des Siddharta Gautama - 560 bis 480 vor dem Jahr Null

Warum die Hölle im Jenseits suchen? Sie ist schon im Diesseits vorhanden, im Herzen der Bösen

- Jean-Jacques Rousseau - Wegbereiter der französischen Revolution und Philosoph - 1712 bis 1778

Es ist die Hölle, von Teufeln angehimmelt zu werden

- Klaus Klages - Deutscher Philosoph - geboren 1938



Das Leben ist wundervoll. Es gibt Augenblicke, da möchte man sterben. Aber dann geschieht etwas Neues, und man glaubt, man sei im Himmel

Édith Piaf - Französische Sängerin - 1915 bis 1963

Wer den Himmel auf Erden sucht, hat im Erdkundeunterricht geschlafen

Stanislaw Jerzy Lec - Polnischer Lyriker und Aphoristiker - 1909 bis 1966

Es kommt darauf an, sich von anderen zu unterscheiden; ein Engel im Himmel fällt niemandem auf

George Bernard Shaw - Irischer Dramatiker - 1856 bis 1950



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