Wer hat dich begraben?

Geschrieben am 13.07.2021
von Shaolin Rainer


In einem weit entfernten Land, vor vielen vielen Jahren, da lebte eine sehr arme Frau. Sie hatte nur das Nötigste, ein Kleid, ein Paar Schuhe, einen Mantel. Nie fand sie genug zu essen, immer hatte sie Hunger. Die Menschen aus dem Dorf mochten die Frau nicht, sie roch schlecht, und konnte sich nur selten waschen.

Ihre Behausung war ein zusammengenagelter Bretterverschlag ohne Wasser und Heizung, ganz am Rande der Ansiedelung. 



Dieser eine Winter war viel kälter als sonst die Jahreszeit war, ihre Lage war verzweifelt. Völlig entkräftet lag die Frau auf ihrem Lager, die Vorräte waren schon vor Tagen ausgegangen, sie wartete still und einsam auf ihren Tod

Wie aus dem Nichts kam die Bäuerin vom nächstgelegenen Hof vorbei, stellte ihr Essen auf den Boden der Hütte, fütterte sie und sprach freundlich zu ihr. Die arme Frau erholte sich daraufhin wieder, der Winter kam zu einem Ende, der Frühling stand vor der Tür.

 



Die arme Frau fasste sich ein Herz und machte sich auf, die gütige Bäuerin zu besuchen. Am Hof angekommen stand diese vor der Türe und rief ihr zu: „wo warst du so lange Zeit, ich habe auf dich gewartet“. Die arme Frau ging auf die Bäuerin zu, um sich zu bedanken. Da sagte die Bäuerin: „du musst dich nicht bedanken. Vor einiger Zeit war ich im Tempel, als ein gelehrter Meister dort verweilte. Er zeigte mir in einem Spiegel mein vorheriges Leben. Ich sah mich in einem Wald umherlaufen, als ich fiel und mir den Fuß brach. Weil ich nicht mehr weiterlaufen konnte bin ich in diesem Wald verhungert, die Tiere frassen schon an meinem Körper, als du des Weges kamst. Meinen geschundenen Körper bemerkend warst du tief erschrocken. Dann nahmst du aber allen Mut zusammen und hast mich in der Erde begraben, du hast mich dort nicht einfach liegen gelassen. Als ich dich jetzt im Spiegel des Meisters erkannte, habe ich dich dann beobachtet. Da du die Hütte im letzten Winter nicht mehr verlassen hattest dachte ich mir schon, dass es dir schlecht ergehen würde. Deshalb habe ich dir Essen gebracht. Du hast mich einst begraben, dafür bin ich dir sehr dankbar. Bitte komme herein, wasch dich, und esse mit uns“.​



Gesagt, getan. Die Bäuerin gab der armen Frau ein ganz neues Kleid. Als sie dann so am Tisch der Bauern saß, gewaschen und anständig gekleidet, da kam der Bauer mit seinem Bruder zur Türe herein. Der Bruder war sofort angetan von der Frau, die jetzt sogar sehr hübsch aussah. Noch beim Abendessen wurden die Beiden sich einig, aus ihnen wurden ein Paar.

Viele Jahre später, als bereits fröhliche Kinder durch das Haus des Ehepaars liefen, sprachen die Beiden über die Irrungen des Schicksals, und wie unglaublich sich ihre Wege getroffen hatten. Da rückte ihr Ehemann mit der Sprache heraus: „nicht nur meine Schwägerin war im Tempel und hat in diesen Spiegel gesehen, auch ich war dort.



 Ich sah, wie ich inmitten einer glücklichen Familie stand, mit einer lieben Frau und vielen Kindern. Heute weiß ich, dass du diese Frau warst, und die Kinder sind ebenfalls wie aus diesem „Spiegelbild“.“​

"Deine Güte hat uns zusammengebracht, deine Taten aus einem vorherigen Leben sind der Grund für unser heutiges Glück."

Die Menschen befinden sich in einem Kreislauf von Wiedergeburten, die durch ihr Karma bestimmt sind.

Also, wer hat Dich im letzten Leben begraben?​

Der Weg ist das Ziel!



Wer 50 Menschen liebt, hat 50 Sorgen; wer niemanden liebt, hat keine Sorgen

Buddha - Ehrenname des Siddharta Gautama - 560 bis 480 vor dem Jahr Null

Wie dem Geiste nichts zu groß ist, so ist der Güte nichts zu klein

- Jean Paul - Deutscher Schriftsteller - 1763 bis 1825

Der Gütige lässt die Art, wie er einen geliebten Menschen behandelt, auch den Ungeliebten zuteil werden

- Mengzi - Ein Nachfolger des Konfuzius - 370 bis 290 vor dem Jahr Null



Wenn die Hoffnung uns verläßt, geht sie, unser Grab zu graben

- Carmen Sylva - Deutsche Adlige, Königin von Rumänien und Schriftstellerin - 1843 bis 1916

Der Gütige ist frei, auch wenn er ein Sklave ist. Der Böse ist ein Sklave, auch wenn er ein König ist

- Augustinus von Hippo - Numidischer Kirchenlehrer - 354 bis 430

Freundlichkeit ist eine Sprache, die Taube hören und Blinde lesen können

- Mark Twain - Amerikanischer Schriftsteller - 1835 bis 1910



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